Wie kann die Region Fulda ihre Lebensmittelversorgung nachhaltig sichern? Beim ersten Regionalforum „Vom Feld auf den Teller“ im Lindengut in Dipperz diskutierten Vertreter aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Wissenschaft über Chancen regionaler Wertschöpfung – vom Boden bis zum Teller.
Das neue Format, getragen vom Green Food Cluster, dem Landkreis Fulda, dem Biosphärenreservat Rhön, der Rhön GmbH und dem Verein Natur- und Lebensraum Rhön will Akteure entlang der gesamten Kette vernetzen. Gastgeberin Anja Lindner und Veranstaltungsmoderatorin Sabine Räth hießen 70 Teilnehmende zum ersten Regionalforum im Lindengut willkommen. Auf sie wartete unter anderem ein Vortrag von Agrarökologe Joachim Böttcher, eine Podiumsdiskussion, ein Workshop sowie eine Hofführung.
Regionalmanager Christoph Burkard, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Fulda, beschrieb das Cluster in seinem Grußwort als Plattform der Netzwerke: „Wir verstehen uns als Möglichmacher, die konkrete Projekte mit echtem Mehrwert anstoßen.“
Gesunde Lebensmittel, so Burkard, seien „ein zentraler Standortfaktor und Ausdruck von Lebensqualität“. Torsten Raab, Verwaltungsstellenleiter des Unesco-Biosphärenreservats Rhön, hob die Rolle der Partnernetzwerke hervor – vom Naturpark Hessische Rhön über die Rhön GmbH bis zur Dachmarke Rhön. „Regionale Wertschöpfungsketten sind ein zentraler Baustein unserer Arbeit im Biosphärenreservat“, so Raab.
Das Lindengut-Areal sei sinnbildlich für funktionierende Kreisläufe: „Hier kommen Landwirtschaft, Verarbeitung, Gastronomie und Tourismus zusammen – eine kleine Wertschöpfungskette in sich geschlossen.“ Raab verwies auf das große Potenzial des länderübergreifenden Biosphärenreservats mit fünf Landkreisen und rund 365 Partnerbetrieben.
„Wir leben, als hätten wir zwei Planeten. Haben wir die? Haben wir nicht.“ Die Transformation rollt auf uns zu – die Frage ist nur: Gestalten wir sie selbst oder werden wir von ihr überrollt?“, sagte Joachim Böttcher, Fachexperte für regenerative Landwirtschaft und Landnutzung, in seinem Impulsvortrag. Er forderte mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft: „Viele Betriebe fühlen sich in die Ecke gedrängt. Dabei sind sie keine Verursacher, sondern Versorger.“ In seinem Vortrag zeigte er, wie eng ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungen verflochten sind.
Im Anschluss an den Vortrag diskutierten Prof. Dr. Linda Chalupova (Hochschule Fulda), Peter Bleuel (Landwirt), Thomas König (Rhön GmbH), Sandra Limpert (Verein Rhöner Lebensmittel) und Susanne Roser (Familienzentrum Ebersburg) über Wege zu resilienten Ernährungssystemen. Chalupova, Professorin für Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften, identifizierte hierbei vier Kernprobleme: „Erstens fehlt bis heute eine klare Definition von Regionalität. Zweitens mangelt es an Verfügbarkeit. Drittens ist der Preisdruck in der Außer-Haus-Verpflegung enorm. Und viertens müssen wir mehr Bewusstsein schaffen – viele Gäste verstehen die komplexen Zusammenhänge gar nicht.“
„Regionalität wird immer stärker nachgefragt. Das ist ein echter Trumpf, weil sie greifbar ist“, berichtete indes Thomas König, Projektmanager der Rhön GmbH. Er sieht die Region als stark genug, eigene Strukturen zu erneuern: „Einige Wertschöpfungsketten sind verloren gegangen, aber wir versuchen durch Projekte, sie wiederzubeleben und zu stärken. Peter Bleuel, Landwirt in Oberrode, forderte eine Rückbesinnung auf Ausbildung und Unternehmertum: „Wir brauchen wieder Menschen, die Lust haben, selbst etwas zu gründen, zu verarbeiten, zu vermarkten. Denn ohne diese Basis bleibt Regionalität nur ein Schlagwort.“
Quelle: Fuldaer Zeitung, Mirko Luis